TRAVEL ROOTS | OpenArtLink 2025 Piraeus
[Available in German and English]
Die Welt zu Greifen nah: Welche Welten sind in Reichweite? Wie reist es sich zusammen? Wer reist und wer flieht? Bereits im Wiener Prater des 19. Jahrhunderts entführten Schaustellende mit ihren bewegten Panoramen und Guckkästen in ferne wie fiktive Landschaften. Das für alle Gesellschafts- schichten leistbare Welten-Schauen der aufkommenden Unterhaltungsindustrie wurzelte in den kolonialen Rassismen und Exotismen der Zeit. Wie später im Freiheitsversprechen der Petromod- erne, der Welt auf dem Highway Kilometer für Kilometer näherzukommen und im gegenwärtig eingeübten Zugriff auf die Welt per Mausklick – Fernblicke haben sich in das westliche Bild- und Sprachgerüst eingeschrieben. Durch welche Kästen wird die Welt geguckt?
Das Ausstellungsprojekt “Travel Roots” widmet sich der Reise als Denkfigur und als Modus des Gesprächs. Die Künstler*innen versammeln Perspektiven entlang und abseits der politischen Gren- zen, erzählen von Bedingungen der Mobilität und des Wartens, aber auch von den Imaginationsräu- men und Utopien, welche das Reisen weiterhin be-deutet.
Wohin reist die Utopie eines Ortes aus? Olaf Osten arbeitet auf zeichnerischer Basis mitunter mit Materialien, welchen der Zeitmoment anhaftet. Von einem Atlanten abgewanderte Farben hinterlas- sen Lücken auf der kartografierten Fläche und finden sich als neues Gebiet auf frei hängendem Stoff zusammen. Mit jedem Vorbeigehen verändert sich die Perspektive auf die Fragmente der gewe- senen Welt.
Pablo Chiereghin klopft die magische Oberfläche der kapitalistischen Alltagswelten nach alterna- tiven Routen und Sehnsuchtsorten ab. Ausgehend von der eigenen Involviertheit ins Script, deutete der Künstler mit seinen performativen Interventionen und Sprachbildern auf Grenzüberschreitun- gen, welche bereits hinter der nächsten Ecke warten.
Ausgehend von malerischer Praxis arbeitet Alberto Storari an und mit der Sprache des Reisens und der Geschichte seiner Medien. Im Abtragen und Überlagern von Schichten kartiert der Künstler die Welt mit der Welt und entwickelt ein assoziatives ‘Neuland’ aus Postkartenmotiven, Landschaftsbil- dern und Satelitenaufnahmen.
Charlotte Aurich beschäftigt sich in ihrer bildnerischen und installativen Arbeit mit dem Fernblick im Alltagsleben. Anhand der Montage von persönlichem Foto- und Filmmaterial setzt sie alltägliche Abläufe und Wege assoziativ zueinander in Beziehung. Als buchstäblicher Fernblick innerhalb der Ausstellung transportiert eine Projektion die Bildfolge hinaus in den Außenraum. Peter Kraus erforscht in seiner fotografischen Praxis die Ästhetik verlassener Orte. Seine Bilder zei- gen stille, menschenleere Räume – Fabriken, Wohnanlagen, Zwischenräume – als dystopische, von Zeit und Geschichte entkoppelte Landschaften. Die formale Reduktion bewirkt eine kontemplative Atmosphäre, die zum Nachdenken über Vergänglichkeit, Erinnerung und Zukunft einlädt. Die Orte wirken wie eingefrorene Momente einer Welt im Verfall – schön, verstörend und poetisch zugleich.
Miriam Laussegger zeichnet mit ihrer Arbeit die Reise eine Drahtspule nach: Als Fundstücke von einem Athener Flohmarkt dienten die Spulen ihr anfänglich als Vorlagen für Siebdruckarbeiten. Die Künstlerin entwickelte sie weiter zu eigenständigen skulpturalen Objekten. Von der Decke hängend und neu arrangiert löste die Künstlerin sie von ihrer ursprünglichen Gebrauchsfunktion, folgte dabei jedoch den industriellen Formvorgaben und der ästhetischen Sprache des Materials. Nun kehren sie nach Athen zurück und schließen damit symbolisch einen Kreislauf von Fund, Gestaltung und Wie- derbegegnung.
Durch das Umordnen, Umstellen und anschließende Fotografieren von Künstler*innenateliers üb- ersetzt Elisabeth Grübl kreative Prozesse in Bilder. Die performativen Eingriffe in die Arbeitsräume machen die Orte als Speicher kreativer Identität greifbar und ermöglichen poetische Momentauf- nahmen von Räumen, denen die ständige Veränderung und Bewegung eingeschrieben sind. Die Fo- tografien erweitern die Ausstellung in Athen nicht zuletzt um die Idee der Reise im eignen Zimmer als Möglichkeitsraum.
Kuratiert von: Charlotte Aurich, Pablo Chieregin
Kuenstler: Charlotte Aurich, Pablo Chiereghin, Peter Kraus, Miriam Laussegger, Olaf Osten, Alberto Storari.
The exhibition is presented at OpenArtLink 2025 | Piraeus Project, an initiative organised by CHEAPART and keramikos_23, aimed to unite international artists from diverse disciplines to explore innovation and creative exchange.
Piraeus-Project
Athinon 8-12, 185 40, Piraeus 185 40
22 - 26 October, 2025
Opening: Wednesday, October 22, 2025
Organised by: CHEAPART, keramikos_23
Georg Georgakopoulos, Paolo Incarnato, Fotini Kapiris, Thalia Kerouli
https://www.openartlink.com
